Schüler informieren sich im Lehrlabor

Experimentieren im Lehrlabor des Bildungszentrums dürfen in diesen Tagen die Schüler der 9. Klasse der Erich-Weinert-Schule Wolfen. (Foto: MZ)Bitterfeld/MZ. Mathias Krusch ist die längste Zeit Azubi gewesen. Nur noch ein paar Wochen, dann hat der Bayer-Lehrling seinen Abschluss in der Tasche. Und dann beginnt für ihn der Berufsalltag in einem Forschungsunternehmen in Heidelberg.
 
In dieser Woche jedoch haben er und weitere Azubis von Bayer im 3. Lehrjahr noch eine ungewöhnliche Aufgabe zu erfüllen: Sie leiten Schüler der 9. Klasse der Wolfener Erich-Weinert-Schule fachlich an, die im Lehrlabor des Bildungszentrums Wolfen-Bitterfeld ein Praktikum absolvieren. Das ist Teil der Ausbildung, erklärt Krusch. Denn für die Bayer-Azubis steht unter anderem das Thema Gruppenarbeit auf dem Plan, bei dem sie lernen sollen, gemeinsam ein Projekt zu bearbeiten, bei dem sie Teamarbeit trainieren und letztlich soziale Kompetenz erwerben sollen. In diesem Jahr stellten sie einen Wochenplan für die Arbeit von Schülern im Labor und in den Werkstätten des Bildungszentrums zusammen und leiten sie während der ganzen Zeit an. Obwohl Mathias Krusch den Schülern nur "mäßiges Interesse" im Labor attestiert, bekommen sie so einen kurzen Einblick in einen für sie möglichen Beruf.
 
Für Sabine Hölzke und Thomas Dietrich ist eine Arbeit in der Chemiebranche nicht das Richtige. Das haben sie schon in der Schule festgestellt, und nun im Lehrlabor bestätigt sich das, geben sie zu. Doch dass sie hier so richtig im großen Maßstab experimentieren können, das macht schon mal Spaß. "In der Schule haben wir ja gar nicht die Möglichkeiten", sagt Thomas. Die Projektwoche ist auch für Chemielehrerin Andrea Hartung eine neue Erfahrung. "Hier ist Chemie eben anschaulicher als in der Schule, die Schüler machen selbst etwas - das ist schon anders als Formeln an der Tafel", stellt sie fest.
 
Sinn der Projektwoche ist es, den Schülern, die sich in Kürze für einen Beruf entscheiden müssen, die Möglichkeit zu geben, sich direkt und praktisch zu informieren, Interesse zu wecken. "Doch selbst, wenn sie merken: ,Das hier ist nicht mein Ding' haben wir ja doch etwas erreicht." Bayer, eins von über 50 Mitgliedsunternehmen des Bildungszentrums, hatte vor Jahren initiiert, auf diesem Weg Schülern die Chemie interessant zu machen. "Dass sich hier 9. Schulklassen auf diese Art und Weise informieren, das hat schon eine gewisse Tradition", sagt Dirk Höhle, Ausbilder im Labor. "Und das ist ja richtig so, denn die Schüler stehen bald schon vor der Entscheidung für einen Beruf." In den nächsten Tagen erhalten sie Einblick in weitere Berufe, die das Bildungszentrum anbietet.